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So investiere ich: Passives Index-Investing
Das ist keine Anlageberatung. Ich bin kein Berater, kein Vermögensverwalter, ich verkaufe dir nichts. Ich werde nur oft gefragt, wie ich das mache, und statt es jedes Mal neu zu erklären, schreibe ich es einmal sauber auf. Was für mich funktioniert, muss für dich nicht passen. Deine Situation, dein Land, deine Steuerlage, dein Risikoprofil sind anders. Triff deine eigenen Entscheidungen, und wenn es um große Beträge geht, hol dir jemanden, der für deine konkrete Lage haftet.
Mit dem aus dem Weg: hier ist, was ich tue und warum.
Die Kurzfassung. Fast mein gesamtes liquides Vermögen steckt in breit gestreuten, kostengünstigen ETFs, die einfach den ganzen Weltmarkt abbilden. Ich versuche nicht, den Markt zu schlagen, Aktien zu picken oder den richtigen Zeitpunkt zu finden. Ich kaufe den Markt als Ganzes, halte die Kosten niedrig, lasse Cash nicht rumliegen, und verteile alles über mehrere Broker in mehreren Ländern.
Warum überhaupt der Aktienmarkt
Bevor es um Index-Fonds gegen aktive Fonds geht, kommt die größere Frage: Warum überhaupt Aktien, und nicht Anleihen, Immobilien, Gold oder etwas anderes? Für mich ist die Antwort der breite, öffentliche Aktienmarkt, und zwar aus handfesten Gründen.
Liquidität. Ich kann mein Portfolio auf Knopfdruck verkaufen, ganz oder in Teilen, zu einem bekannten Preis, in Sekunden. Eine Wohnung verkaufst du in Wochen bis Monaten, nur am Stück, mit fünf bis zehn Prozent Nebenkosten. Mit einem ETF muss ich mich nie mit irgendwas rumärgern.
Kein Klumpenrisiko. Ein einziger Welt-ETF hält tausende Firmen über rund 50 Länder und alle Branchen. Eine Mietwohnung oder ein eigenes Geschäft ist das Gegenteil: eine einzige, ungestreute Wette. Beim ETF ist die Streuung eingebaut.
Kein Aufwand drumherum. Keine Verwaltung, keine Instandhaltung, keine Versicherung, keine Grundsteuer, keine Mieter, kein Leerstand. Ich kaufe und halte. Und ich sehe jeden Tag transparent, was es wert ist. Beim Immobilienkauf in Deutschland kommen außerdem 10 bis 15 Prozent Kaufnebenkosten obendrauf (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, oft Makler), ein sofortiger Verlust, den ein ETF-Kauf nicht kennt.
Der wichtigste Punkt, den die meisten übersehen: Wenn mein breit gestreutes Portfolio wirklich einbricht, dann brennt es in der Weltwirtschaft. Und in genau diesen Momenten sind Immobilien, private Firmenbeteiligungen und fast alle anderen Anlagen auch unten. Der Unterschied ist nur, dass die nicht jede Sekunde bepreist werden, also fühlen sie sich ruhiger an. Diese Ruhe ist größtenteils eine Buchhaltungs-Illusion, kein Fehlen von Risiko. Eine Immobilie, die niemand täglich neu bewertet, schwankt auf dem Papier weniger, nicht in Wirklichkeit.
Fair bleibt: Immobilien laufen nicht perfekt im Gleichschritt mit Aktien, ein echter Streuungsvorteil ist da. Aber er wird überschätzt, und in echten Krisen wie 2008 fiel beides zusammen.
Was die Geschichte zeigt
Die Zahlen über lange Zeiträume sind eindeutig, und sie sind der eigentliche Grund, warum ich so investiere.
Über die letzten 125 Jahre (1900 bis 2024) haben globale Aktien rund 5 Prozent pro Jahr nach Inflation gebracht. Anleihen kamen auf etwa 1,7 Prozent, Bargeld auf 0,5 Prozent. Das klingt nach kleinen Unterschieden, aber über Jahrzehnte und mit Zinseszins ist es der Unterschied zwischen Vermögensaufbau und Stillstand. Quelle ist das UBS Global Investment Returns Yearbook von Dimson, Marsh und Staunton, der längste seriöse Datensatz, den es gibt.
Eine Zahl macht es greifbar: Ein US-Dollar, 1900 in US-Aktien gesteckt, war Ende 2024 nominal über 100.000 Dollar wert. Derselbe Dollar in Anleihen kam auf ein paar hundert.
US-Aktien liefen mit etwa 6,5 Prozent real sogar noch besser, aber das war der beste Markt im ganzen Datensatz. Deshalb nehme ich bewusst die niedrigere Welt-Zahl als ehrliche Grundlage und rechne nicht mit amerikanischer Ausnahme-Performance für die Zukunft. Über die letzten rund 50 Jahre hat der S&P 500 etwa 8 Prozent pro Jahr nach Inflation gebracht, rund 12 Prozent davor.
Und Immobilien? Über sehr lange Zeiträume liegt die Gesamtrendite aus Preis plus Miete nah an Aktien, grob 7 Prozent real seit 1870, laut der Studie The Rate of Return on Everything. Aber das ist eine idealisierte, unverschuldete Vermieter-Rendite ohne Reibung. Als liquide, breit gestreute Position lässt sich das nicht kaufen, und die niedrige gemessene Schwankung ist zum Teil genau die Bewertungs-Illusion von oben.
Für Deutschland finde ich die Geschichte besonders aufschlussreich, weil sie oft falsch erzählt wird. Über lange Zeiträume lag die reale Gesamtrendite deutscher Wohnimmobilien aus Preis plus Miete je nach Zeitfenster bei rund 5 bis 8 Prozent, also nah an Aktien. Aber fast zwei Drittel davon kamen aus der Miete, nur ein gutes Drittel aus dem Preis, der niedrigste Preisanteil aller untersuchten Länder. Die reinen Hauspreise liefen real jahrzehntelang seitwärts. Wer 1995 kaufte, war nominal erst 2012 wieder bei seinem Kaufpreis, inflationsbereinigt sogar erst 2017 (Deutsche Bank Research). Erst der Boom ab 2010 drehte das, gefolgt vom stärksten Rückgang seit Beginn der amtlichen Reihe, minus 8,4 Prozent allein 2023 (Destatis). Nach 1950 lagen deutsche Aktien real sogar vor Wohnimmobilien. Gerd Kommer, der bekannteste deutsche Verfechter des passiven Investierens, macht denselben Punkt seit Jahren: Die Wertsteigerungen von Wohnimmobilien sind kleiner, als die meisten glauben.
Die ehrlichen Einschränkungen, weil sie dazugehören: Vergangene Renditen sind keine Garantie. Über 200 Jahre war der Vorsprung von Aktien kleiner als im 20. Jahrhundert. Es gab Phasen von vielen Jahren mit realem Verlust. Wer das nicht aussitzen kann, für den ist die Strategie nichts.
Warum Index-Fonds, und zwar konkret
Ich mache das nicht aus Bauchgefühl. Ich mache es, weil es eine der am besten belegten Strategien überhaupt ist und weil die Logik dahinter sauber aufgeht.
Die meisten aktiven Fonds schlagen den Index langfristig nicht. Das wird seit Jahren gemessen. Die SPIVA-Studien von S&P zeigen über lange Zeiträume immer wieder dasselbe: Die große Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds liegt nach Kosten unter ihrem Vergleichsindex. Und die wenigen, die in einem Zeitraum vorne liegen, sind selten dieselben im nächsten.
Kosten sind das Einzige, was du sicher kontrollieren kannst. Du weißt vorher nicht, welcher Fonds gewinnt. Du weißt aber genau, was er kostet. Ein breiter Welt-ETF kostet dich heute irgendwo zwischen 0,07 und 0,22 Prozent pro Jahr. Ein aktiver Fonds gern 1,5 Prozent und mehr. Über Jahrzehnte frisst dieser Unterschied einen erschreckend großen Teil deiner Rendite, weil er sich mit dem Zinseszins multipliziert. Jack Bogle hat es auf den Punkt gebracht: “In investing, you get what you don’t pay for.”
Die Logik ist banal und genau deshalb stark. Alle Marktteilnehmer zusammen besitzen den ganzen Markt. Im Schnitt können sie also nur die Marktrendite erzielen, abzüglich ihrer Kosten. Wer mehr will, muss zwingend auf Kosten von jemand anderem gewinnen. Wenn ich einfach den ganzen Markt kaufe und am wenigsten zahle, lande ich systematisch in der oberen Hälfte. Ohne Research, ohne Glück, ohne Stress.
Zeit im Markt schlägt das Timing des Marktes. Niemand weiß verlässlich, wann der nächste Crash oder die nächste Rally kommt. Wer auf den perfekten Einstieg wartet, verpasst meistens mehr Rendite, als er an einem Crash spart. Deshalb warte ich nicht. Geld rein, sobald es da ist.
Wie ich es konkret umsetze
Cashquote im niedrigen einstelligen Bereich. Bei mir liegt fast nie Geld einfach rum. Was reinkommt und nicht für laufende Kosten gebraucht wird, wandert ziemlich unmittelbar in ETFs. Ich halte einen kleinen Puffer für Notfälle, aber der Rest soll arbeiten, nicht auf dem Konto an Kaufkraft verlieren.
Mein liquides Vermögen steckt fast vollständig in ETFs. Ich habe ein Apartment in Georgien, aber das macht inzwischen nur noch einen kleinen Teil meines Vermögens aus. Der Großteil dessen, was ich im Alltag verwalte, ist in breit gestreuten Index-Fonds.
Ich verteile bewusst über mehrere Broker in mehreren Ländern. Das ist der Teil, den ich am wichtigsten finde und der bei den meisten fehlt. Ich nutze unter anderem europäische Neobroker wie Trade Republic, Flatex, finanzen.net Zero und Traders Place, dazu Lightyear in UK, einen georgischen Broker und Interactive Brokers.
Der Grund ist nicht Rendite, sondern Zugang und Ausfallsicherheit. Wenn bei einem Anbieter mal was klemmt, ein App-Fehler, eine technische Störung, ein gesperrter Zugang, dann macht mir das nichts aus. Ich kann jederzeit auf die anderen ausweichen. Ich bin von keinem einzelnen Anbieter, keiner einzelnen App und keiner einzelnen Jurisdiktion abhängig. Für jemanden mit international verteiltem Leben ist das kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung.
Wie ich dahin gekommen bin
Erste kleine ETF-Schritte habe ich schon um 2005 gemacht, mit Pausen. Damals war ich weder richtig committed noch hatte ich die finanziellen Mittel, um große Sprünge zu machen. Richtig aggressiv investiere ich seit 2021. Seitdem ist es das oben beschriebene System: niedrige Cashquote, alles in breite ETFs, über viele Broker verteilt.
Der ehrliche Punkt daran: Das Spannende kam nicht durch geniale Picks, sondern durch Konsequenz über Zeit. Genau deshalb funktioniert die Strategie für so viele Leute. Sie verlangt keine besondere Begabung, nur Disziplin und Geduld.
Wenn ich heute bei null anfangen würde
Wieder: kein Rat, sondern “so würde ich es selbst angehen”. Ich splitte nach Ausgangslage, weil der Broker-Zugang stark davon abhängt, wo du gemeldet bist.
Du lebst in DACH und bist dort gemeldet
Du hast den einfachsten Zugang. Ein steuereinfacher Broker, ein breiter Welt-ETF als thesaurierende Variante, Sparplan einrichten, fertig. Beispiele für die Ein-Fonds-Lösung:
- Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Acc: VWCE, rund 0,22 % laufende Kosten)
- Amundi Prime All Country World UCITS ETF (Acc: WEBN, rund 0,07 %)
- SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (inklusive Small Caps, rund 0,17 %)
Welcher genau ist zweitrangig. Die Unterschiede sind klein gegen den Effekt, überhaupt breit und billig investiert zu sein.
Du hast Deutschland verlassen oder bist abgemeldet
Sobald du keinen DACH-Wohnsitz mehr hast, verlierst du oft den Zugang zu deutschen Brokern, und die automatische deutsche Steuerabführung fällt weg. Mein Ansatz: Broker, die mit nicht-DACH-Wohnsitz sauber funktionieren (zum Beispiel Interactive Brokers, Lightyear, je nach Land lokale Broker), dieselben breiten UCITS-Welt-ETFs, und vorher klären, wie ETF-Gewinne in deinem neuen Wohnsitzland besteuert werden.
Du bist international und hast keinen EU-Broker-Zugang
Wenn UCITS-ETFs für dich nicht erreichbar sind, ist Interactive Brokers oft der gemeinsame Nenner. Dort handelst du meist US-domizilierte Welt-ETFs:
- Vanguard Total World Stock ETF (VT, rund 0,06 %) als Ein-Fonds-Lösung
- oder die Kombi VTI (US-Gesamtmarkt) plus VXUS (Rest der Welt)
Achtung: US-domizilierte Fonds haben für Nicht-US-Personen eigene Steuerthemen (US-Quellensteuer auf Dividenden, mögliches US-Erbschaftsteuer-Exposure ab gewissen Schwellen). Je nach Pass und Wohnsitz kann das relevant sein. Vorher prüfen.
Stand 2026. Alle genannten Fonds sind Beispiele, keine Empfehlungen, und ihre Kosten und Verfügbarkeit ändern sich.
Was ich bewusst nicht mache
- Keine Einzelaktien als Kern. Falls überhaupt, dann als kleine Spielwiese, klar getrennt vom Kern. Der Kern ist langweilig und soll es bleiben.
- Kein Stockpicking, kein Market-Timing. Ich glaube nicht, dass ich es dauerhaft besser kann als der Markt, und die Daten geben mir recht.
- Keine teuren aktiven Fonds und keine Berater, die an Provisionen verdienen. Das frisst genau die Rendite, die der Index-Ansatz dir spart.
- Der Trade-off, den ich akzeptiere: Ich werde nie der sein, der 200 Prozent mit der einen Aktie gemacht hat. Dafür habe ich auch nie den Totalausfall, die schlaflosen Nächte und den Zeitaufwand. Für mich ist das ein guter Tausch. Für jemand anderen vielleicht nicht. Das ist individuell.
Die Broker, die ich nutze
Wie oben beschrieben verteile ich bewusst über mehrere Anbieter. Die zwei wichtigsten, nach denen ich am häufigsten gefragt werde:
- Interactive Brokers ist mein Arbeitspferd für alles Internationale. Konto-Eröffnung in sehr vielen Ländern, riesige Auswahl, niedrige Kosten, funktioniert auch ohne DACH-Wohnsitz. Du findest IBKR hier: Interactive Brokers.
- Trade Republic nutze ich als günstigen, einfachen Broker im DACH-Raum. Ehrlich dazu: Wer ausgewandert ist und keinen DACH-Wohnsitz mehr hat, sollte aufpassen, denn Trade Republic kündigt Nicht-Residenten eher. Für den europäischen Alltag ist es aber stark. Trade Republic.
Offenlegung: Die Broker-Links sind Empfehlungs-/Affiliate-Links. An deinen Konditionen oder Preisen ändert sich dadurch nichts. Die Anbieter stehen hier, weil ich sie selbst nutze, nicht wegen der Links.
Dieser Text beschreibt meine persönlichen Erfahrungen und Entscheidungen. Er ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlung, bestimmte Produkte zu kaufen oder zu verkaufen. Investments bergen Risiken bis zum Totalverlust. Vergangene Wertentwicklung ist kein Indikator für die Zukunft. Triff deine eigenen Entscheidungen und zieh für deine konkrete Situation qualifizierte Beratung hinzu.